Karoshi: Tiefgreifender Blick auf Japans „Tod durch Überarbeitung“

Karoshi: Tiefgreifender Blick auf Japans „Tod durch Überarbeitung“

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Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eine tiefe Zuneigung und einen großen Respekt für Japan und seine Kultur habe. Meine Jahre in diesem Land haben mich gelehrt, die Schönheit der japanischen Traditionen zu schätzen, die Höflichkeit seiner Menschen und die Hingabe an die Arbeit. Aber während meiner Zeit dort habe ich auch die dunkle Seite der Arbeitskultur kennengelernt – Karoshi, oder „Tod durch Überarbeitung“.

Was ist Karoshi?

Karoshi ist ein japanischer Begriff, der in den 1980er Jahren geprägt wurde und wörtlich „Tod durch Überarbeitung“ bedeutet. Es ist ein Phänomen, das durch außergewöhnlich lange Arbeitszeit, mangelnde Ruhepausen und damit verbundenem extremen Stress gekennzeichnet ist. Das führt zu chronischer Erschöpfung, sodass die häufigste Todesursache ein Herz- oder Hirnschlag ist. Auch Selbstmord ist eine Folge aufgrund von immenser Überarbeitung.

Kulturelle Hintergründe und Geschichte

Japan ist ein Land, das für seine disziplinierte Arbeitsmoral und Hingabe an Qualität und Präzision bekannt ist. Die Arbeitskultur wird stark von traditionellen Werten wie Loyalität, Respekt und Hingabe beeinflusst. Ein altes japanisches Sprichwort besagt so viel wie, „dass Arbeit nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Ehre und eine Tugend ist“.

Im Nachkriegsjapan wurde harte Arbeit und Selbstaufopferung zur Norm, als das Land sich auf den Wiederaufbau und die Schaffung einer stabilen Wirtschaft konzentrierte. Arbeiter*innen wurden ermutigt, ihre persönlichen Bedürfnisse und ihr Wohlbefinden für das größere Wohl der Firma und des Landes zurückzustellen. Das Konzept des „lebenslangen Arbeitsplatzes“ wurde populär, wobei die Arbeiter*innen eine tiefe Loyalität und Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen empfanden.

Karoshi: Eine tragische Konsequenz

Diese tief verwurzelte Arbeitskultur, gekoppelt mit einer zunehmenden Globalisierung inklusive Wettbewerbsdruck, haben jedoch zu ernsthaften gesundheitlichen und sozialen Problemen geführt – Karoshi. Die Fälle von Erwerbstätigen, die aufgrund von Überarbeitung einen plötzlichen Tod erlitten, begannen in den 1980er Jahren zuzunehmen und zogen die Aufmerksamkeit der Medien und der Gesellschaft auf sich.

Studien und Statistiken zu Karoshi

Die genauen Zahlen sind schwer zu bestimmen, da viele Fälle von Karoshi nicht gemeldet werden oder die Familien der Verstorbenen aus Scham oder Angst vor Stigmatisierung schweigen. In den Jahren von 2010 bis 2014 wurden durchschnittlich offiziell rund 300 Karoshi-Fälle anerkannt. Heutzutage gehen Experten von 20.000 Fällen jährlich aus. Laut einer Studie lassen 23% der befragten japanischen Unternehmen 80 Überstunden im Monat zu!

Karoshi in der japanischen Gesellschaft: Persönliche Beobachtungen

Während meiner Zeit in Japan hatte ich viele Begegnungen, die mir die Tragweite des Phänomens Karoshi verdeutlichten. Einmal erzählte mir ein Kollege namens Kenji, ein engagierter Ingenieur in einem großen Elektronikunternehmen, von seinem täglichen Kampf mit der Arbeitsbelastung. Er arbeitete regelmäßig bis spät in die Nacht, opferte seinen Schlaf und seine Freizeit für die Arbeit. Eines Tages erlitt er tragischerweise einen Herzinfarkt im Büro – er war erst in den Dreißigern… Kenjis Geschichte ist leider keine Seltenheit in der japanischen Arbeitslandschaft.

Maßnahmen gegen Karoshi

Angesichts der ernsten Situation haben sowohl die japanische Regierung als auch einzelne Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um das Problem von Karoshi anzugehen. Die Regierung hat Gesetze erlassen, die die maximale Anzahl an Überstunden begrenzen und Unternehmen verpflichten, ihre Mitarbeiter*innen auf die Gefahren von Überarbeitung hinzuweisen. Ebenso sind Firmen dazu angehalten, ihre Angestellten zu ermutigen, ihren jährlichen Urlaub in Anspruch zu nehmen und sicherzustellen, dass sie ausreichend Ruhepausen einlegen.

Einige Unternehmen setzen zudem auf innovative Lösungen wie die automatische Abschaltung von Bürocomputern nach einer bestimmten Zeit, um Überstunden einzudämmen. Andere führen flexible Arbeitszeiten ein oder bieten Unterstützungsprogramme für psychische Gesundheit an.

Ein langer Weg zur Veränderung

Obwohl diese Maßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung sind, braucht es weiterhin einen tiefen gesellschaftlichen Wandel, um die Überarbeitungskultur effektiv zu bekämpfen. Dies liegt an der Tatsache, dass Überarbeitung in Japan nicht nur ein Arbeitsproblem ist, sondern auch in der kulturellen und sozialen Struktur des Landes verwurzelt ist.

In Japan wird harte Arbeit oft als Zeichen von Loyalität und Hingabe betrachtet, und Überstunden werden häufig als selbstverständlich angesehen. Dies ist zum Teil auf die traditionelle japanische Konzeption von „Giri“ zurückzuführen, ein Konzept, das Verpflichtung gegenüber anderen betont. Darüber hinaus wird die Vermeidung von Überstunden nicht selten als Zeichen von Faulheit oder mangelndem Engagement für das Unternehmen angesehen.

Persönliche Geschichten: Veränderungen von Innen

Trotz der Schwierigkeiten gibt es auch Zeichen der Hoffnung und des Wandels. Während meiner Zeit in Japan traf ich junge Berufstätige, die aktiv nach einer besseren Work-Life-Balance strebten und das herkömmliche Modell der lebenslangen Anstellung in Frage stellten.

Ein gutes Beispiel ist eine ehemalige Kollegin von mir, Yumi. Sie arbeitete in einem großen Werbeunternehmen und war oft bis spät in die Nacht im Büro. Aber nach einigen Jahren der extremen Arbeitsbelastung entschied sie sich, ihren Job zu kündigen und sich selbstständig zu machen, um mehr Kontrolle über ihre Arbeitszeit zu haben und mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Yumis Geschichte ist inspirierend und zeigt, dass Veränderung möglich ist!

Schlussfolgerung: Der Weg in die Zukunft

Die Bekämpfung von Karoshi erfordert einen multidimensionalen Ansatz, der eine Kombination aus politischen Reformen, Veränderungen in den Unternehmenspraktiken und einen Wandel in der gesellschaftlichen Einstellung zur Arbeit beinhaltet. Es ist ein langer und schwieriger Weg, aber notwendig, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der japanischen Arbeitsbevölkerung zu gewährleisten.

Veränderungen brauchen Zeit und obwohl der Kampf gegen Karoshi ein langwieriger Prozess sein mag, gibt es Hoffnung auf eine positive Veränderung, wenn wir beharrlich bleiben.
Meine Zukunftserwartung ist es, dass mit der Zeit mehr Unternehmen und Individuen die Notwendigkeit einer gesunden Work-Life-Balance erkennen und Maßnahmen ergreifen, um Karoshi zu verhindern. Arbeit ist zweifellos ein wesentlicher Teil unseres Lebens, aber sie sollte nie auf Kosten unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens gehen.

 

Quellen:
https://www.abc.net.au/news/2015-06-11/epidemic-of-overwork-killing-hundreds-of-japanese-each-year/6536860
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/japan-viele-japaner-kommen-auf-80-ueberstunden-pro-monat-a-1115585.html

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